DIE EM-HISTORIE

Es begann 1990 ... in der (gerade in den letzten politischen Zuckungen liegenden) DDR. Auf einer Klassenfahrt beschlossen vier aufrechte Wahrheitssuchende, dem schönen Schein dieser unserer Welt keinen Glauben mehr zu schenken und fürderhin als Rufer in der Wüste, als Blicker hinter die Kulissen des Daseins gegen die allzu offensichtlichen Verblendungen und Verblödungen anzukämpfen. Die Namen dieser Tapferen?
Jochen Schwind, Helge Weichmann, Thomas Richter, Thomas Oberlies.


 
Frühe fotografische Dokumentationen der vier EMs
(original-Klassenfahrt-Fotos von 1990):
Jochen Schwind, Helge Weichmann, Thomas Richter, Thomas Oberlies
 
 
Nach einigen Zwischenfällen und bedeutsamen Entdeckungen war uns plötzlich klar, daß die Welt nicht das sein konnte, was sie uns jahrelang zu sein vorgaukelte. Kann es wirklich stimmen, daß in Martin Luthers Studierstube auf der Wartburg ein Walfischzahn auf dem Boden steht, groß wie eine Trommel? Warum weiß niemand ein Antwort darauf, ob Meerschweinchen Rote-Bete-Saft trinken? Heißen alle Polizisten mit Vornamen Heiko? Fragen über Fragen taten sich vor uns auf, und nicht immer schien die plausibelste Antwort auch die wirklich richtige zu sein. Kann es nicht etwa sein, daß es überhaupt keine Erdbeeren gibt, sondern nur zwei Sorten von Kartoffeln ... die einen groß und gelb, die anderen klein, rot, süß, mit dem Aussehen und dem Geschmack einer Erdbeere? Und sind Kühe wirklich Tiere ... oder nur Pflanzen, die sich bis ins tiefste Innere einer jeden Zelle den Anschein geben, ein Tier zu sein? Wer kann hinreichend widerlegen, daß das Innere der Sonne aus leckerem Schokoladen-Eis besteht? Wer sagt, daß Windmühlen vom Wind angetrieben werden und nicht umgekehrt die Bewegung von abertausend Windmühlen überhaupt erst diesen Luftzug entstehen lassen? Und schließlich steht noch immer der Gegenbeweis aus, daß zwei Streichhölzer, welche genau eine Million Jahre langsam aneinander gerieben werden, sich nach Ablauf dieser Zeitspanne sofort entzünden...

Und plötzlich standen wir da mit unserem ungeheuren Wissen in den zitternden Händen, die Brisanz des Augenblicks kaum erahnend, geschweige denn erfassend...

Tja, da war guter Rat teuer. Wir einigten uns erst einmal spontan darauf, unser Leben so weiterzuführen wie bisher, da uns eh keiner so richtig geglaubt hätte und wahre Ideen sowieso erst nach vielen, vielen Jahren gigantische Mengen von begeisterten Anhängern finden. Also beschlossen wir 1992 unsere schulische Laufbahn mit einem Abitur und danach folgendes: Um die brachiale schöpferische Kraft, die unseren neuen Erkenntnissen innewohnt, zu befreien und möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit neuem Blick und offenen Augen ihre Welt zu bestaunen, gingen wir daran, die drei großen Pfeiler der modernen Gesellschaft, nämlich die Pädagogik, die Massenmedien und die Wissenschaft, zu infiltrieren...


 


Noch ein original-Klassenfahrt-Foto von 1990:
die vier EMs in Action
 
 

In diese großen Tradition wurde 1994 von Thomas Oberlies und Helge Weichmann die Idee geboren, das kreative Schaffen auf den cineastischen Bereich auszuweiten. Anlaß für ein solches Zwei-Mann-Projekt boten ein mäßig guter Science-Fiction-Film (im Programmkino in Enkenbach-Alsenborn gesehen) mit mäßig guten Spezialeffekten und die Überzeugung, es besser machen zu können. Durchführbare Spezialeffekte (hauptsächlich auf Schnur-, Heißkleber- und Wunderkerzenbasis) waren bald schon gefunden, eine halbe Stunde später hatte sich auch die Handlung unseren Möglichkeiten untergeordnet. Es entstand Bifflapselquai - don´t say "ch" (dem aufmerksamen Leser entgeht sicher nicht, daß uns zu dieser Zeit leider eine spätpubertäre Anglizismus-Phase überfiel, die sowohl für diesen halbgaren Titel sowie auch für den Begriff "Em-Pictures" darselbst verantwortlich zeichnete ... unnütz zu erwähnen, daß die gesamte Business-, e-commerce- und Wirtschaftswelt gerade jetzt, mit einer kleinen Verspätung von knapp sieben Jahren, genauso weit zu sein scheint...).
Die Zeit verging ... Jahr um Jahr, Film um Film ... die technischen Möglichkeiten wurden besser, die Handlungen blieben auf trashigem Niveau. Meist wurden unsere Filme von einem recht simplen Thema beherrscht: Eine unglaublich böse Macht (z.B. Zardok, Bill, Korfork, eine gigantische Schnake...) will die Welt und alle angrenzenden Galaxien unterjochen und zerstören. Ein bis zwei strahlende Helden (Mobada tem Kodom, Karl, Alfons, Juneda, Lomo, Jesus...) wissen dies trickreich zu verhindern und retten die Erde von dem sicheren Untergang.

Die ersten Filme wurden noch als reine Zwei-Mann-Produktionen (wir waren gleichzeitig Schauspieler, Requisiteure, Kameraleute, Cutter, Tontechniker usw.) durchgeführt, später kamen unfreiwillige Statisten (meist Passanten und Reisegruppen) dazu, bei den letzten Filmen haben wir kleine Gastauftritte an Freunde, Bekannte und Professoren vergeben.

Alle Werke, so grundverschieden sie auch sein mögen, haben jedoch eine gemeinsame Grundlage: die em´sche Denkweise, daß nichts so ist, wie es zu sein scheint, aber auch nichts zu plakativ ist, um nicht doch sein zu können.